Die Green Economy, das Ergrünen der Wirtschaft, wird selbst in konservativen Wirtschaftskreisen längst als Antwort sowohl auf den Klimawandel als auch auf die weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrisen gepriesen und soll darüber hinaus noch die Hunger- und Armutsprobleme im südlichen Teil der Welt lösen. Klingt wirklich zu schön, um wahr sein. Höchste Zeit also, sich einmal genauer anzusehen, was hinter dem Begriff „Green Economy“ eigentlich steckt. Wem oder was nützt das Konzept, was sind seine Schwachstellen? Und welche Rolle spielt auch hier einmal mehr das Diktat des Wirtschaftswachstums? Hier kommt Teil 1 eines Überblicks über den aktuellen Diskurs.

Was ist das denn nun, eine Green Economy?

Meist angeführt ist die Definition des UN-Umweltprogrammes (UNEP) in seinem Green Economy Report (2011):

Green Economy kann definiert werden als eine Art des Wirtschaftens, die das Wohl der Menschen über lange Zeit verbessert und Ungleichheiten reduziert, ohne gleichzeitig zukünftige Generationen wesentlichen Umweltrisiken auszusetzen und ökologische Opfer von diesen zu erwarten. (…) Eine Green Economy ist charakterisiert durch substantielle Investitionen in diejenigen Bereiche der Wirtschaft, die das natürliche Kapital der Erde erhalten und vermehren, bzw. ökologische Knappheiten und Umweltrisiken vermindern. Diese Sektoren beziehen erneuerbare Energiequellen, kohlenstoffarmen Verkehr, energieeffiziente Gebäude, saubere Technologien, den verbesserten Zugang zu Trinkwasser, nachhaltige Bewirtschaftung von Landwirtschaft und Forsten sowie nachhaltige Fischerei mit ein.

Klingt doch klasse – und wirft einige Fragen auf. Die erste, die sich aufdrängt: Warum zeigt sich nicht nur die Umweltpolitik von diesem Konzept angetan, sondern warum zeigen sich auch Finanzwelt und Akteure aus der Wirtschaft, die in jüngerer Vergangenheit, umwelt- und klimapolitische Auflagen und Gesetze eher als Hemmschuh für wirtschaftliches Wachstum definiert haben, derart aufgeschlossen? Die Antwort ist recht einfach zur Hand: Weil es sich wirtschaftlich lohnt.

Green Economy zahlt sich aus

Bereits 2006 machte der Stern Review darauf aufmerksam, dass die Kosten für aktives klimapolitisches Handeln um ein Vielfaches niedriger seien, als die Folgekosten für das Unterlassen von Maßnahmen, die den Ausstoß von Treibhausgasen senken. Natürlich stieß diese Rechnung in Finanz- und Wirtschaftswelt auf offene Ohren.

Die deutsche Bundesregierung und die europäische Kommission gaben daraufhin 2008 den sogenannten Sukhdev Report The Economics of Ecosystems and Biodiversity in Auftrag, dessen Federführung der von der Deutschen Bank dafür freigestellte Ökonom und Report-Namensgeber Pavan Sukhdev übernahm. Auch hier die Botschaft: Umweltschutz lohnt sich! Denn, so die Schlussfolgerung, die Miteinbeziehung von Ökosystemleistungen und des Wertes der Biodiversität könne sich dann wirtschaftlich lohnen, wenn ihre nachhaltige Bewirtschaftung als ökonomische Chance für die wirtschaftliche Entwicklung erkannt wird. Erstmals wurde hier also das Konzept der Ökosystemdienstleistungen, das heißt der Nutzen, den Menschen aus den Ökosystemen ziehen, ökonomisiert.

Mit den Investitionen in die 2011 im Green Economy Report genannten Schlüsselbereiche (siehe oben) gibt auch das UN-Umweltprogramm den Ökosystemdienstleistungen einen wirtschaftlichen Wert. Mit jährlich zwei Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung, das sind derzeit etwa 1,3 Billionen US-Dollar, ließe sich der Übergang zu einer Grünen Wirtschaft und damit zu einer kohlenstoffarmen und rohstoffeffizienten Weltwirtschaft realisieren, rechnet das UNEP vor. Die oben genannten Investitionen würden im UNEP-Konzept durch ein Bündel von Maßnahmen, öko-sozialen Standards und gesetzlichen Rahmenbedingungen flankiert, darunter allem voran die Streichung von ökologisch wie sozial schädlicher Subventionen, etwa für fossile Brennstoffe, Investitionen in Wasser oder die für die Überfischung mitverantwortlichen finanziellen Zuschüsse an die Fischerei. Mehr als die herkömmliche Wirtschaftsweise, so das UNEP, schaffe eine Grüne Wirtschaft vor allem Arbeitsplätze und sei noch dazu ein umweltverträglicher Wachstumsmotor.

Weiterlesen? Hier geht’s zum 2. Teil…

 

 

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